Im Dezember 2022 wurde von der Ratsversammlung unser Klimabegehren als städtische Satzung übernommen und gleichzeitig der von uns mit den Stadtwerken ausgehandelte grobe Transformationsplan als Satzung verabschiedet. Dieser Plan ist allerdings flexibel: er enthält Vorbehalte in Bezug auf Wirtschaftlichkeit und den Zeitpunkt der einzelnen Maßnahmen und ermöglicht Abweichungen, wenn dabei das Ziel der Fossilfreiheit in 2035 und der Zwischenziele in 2028 und 2032 erreicht wird.
Was ist inzwischen geschehen?
Als erstes haben die Stadtwerke einen detaillierten Transformationsplan erarbeitet, mit dem Fördergelder nach dem BEW (Bundesförderung für effektive Wärmenetze) beantragt werden konnten. Diese Fördergelder wurden inzwischen bewilligt, sowohl für die Detail-Planung der der Transformation als auch für die Phase 1, nämlich die erste Großwärmepumpe mit einer Kapazität von 60 MWe, was die Grundlast abdecken wird. Diese GWP wird die Wärme wie von uns vorgeschlagen aus dem Fördewasser holen. Sie wurde ausgeschrieben und inzwischen bestellt, die Fundamente für das nötige Gebäude auf dem Gelände der Stadtwerke sollten noch im Dezember gelegt werden. Die Lieferung und der Aufbau erfolgt in 2026 und 2027, so dass noch Ende 2027 mit dem ersten Einsatz gerechnet wird. 2028 wird das erste Jahr, in dem die Wärme-Grundlast nicht mehr aus Erdgas, sondern aus der Wärmepumpe gedeckt wird. Die 90%-Förderung für den dafür nötigen grünen Strom ist auch bereits bewilligt. Die Vorgabe des Klimabegehrens, in 2028 nur noch 50% der die CO2-Emissionen von 2019 zu emittieren, wird eingehalten.
Parallel laufen noch eine ganze Menge anderer Maßnahmen: Weil die GWP das Fernwärme-Wasser nur auf 95°C und nicht wie bisher auf bis zu 120°C erhitzt, wird das Fernwärmenetz umgebaut. Es müssen Rohre mit größerem Durchmesser her, damit dieselbe Wärmemenge geliefert werden kann, und mit besserer Isolierung, damit die Wärmeverluste möglichst gering sind. Das erleben wir überall in Flensburg: an Straßensperrungen! Um zu errreichen, dass die GWP effektiv arbeiten kann, muss die Rücklauftemperatur gesenkt werden: das bedeutet, dass die einzelnen Verbraucher einen Anreiz bekommen sollen, ihren Verbrauch effektiver zu gestalten so dass das Wasser nicht mehr mit 60°C das Haus verlässt, sondern nur noch mit 40°C. Diesen Anreiz soll ein neuer Fernwärmetarif bieten. Also muss bei jedem Verbraucher die Rücklauftemperatur laufend gemessen und an die Stadtwerke gemeldet werden, so dass man gute Wärmenutzung durch niedrigeren Preis belohnen, ineffektive Heizung verteuern kann. Das braucht die Errichtung und das Training eines „digitalen Zwillings“ für das Wärmenetz, der die ganzen Daten aufnehmen und verarbeiten kann. Dieser digitale Zwilling ist inzwischen eingerichtet und wird trainiert, so dass er immer besser die tatsächliche Situation abbildet. Er ermöglicht auch eine effektivere Steuerung der Wärmelieferung nach dem tatsächlichen Bedarf in den verschiedenen Zweigen des Fernwärmenetzes. Wir haben angeregt, dass die geplanten smarten Messgeräte auch genutzt werden, um den Spitzenbedarf im Vorlauf zu senken: das würde manche Erzeugungskapazität über die GWP hinaus einsparen helfen.
Und dann laufen viele Überlegungen dazu, wie man in der zweiten Phase der Transformation, also bei der Mittellast, die nicht im Sommer gebraucht wird, weiter verfahren will. Da stehen mehrere Möglichkeiten zur Diskussion und werden intensiv geprüft: ob eine zweite Großwärmepumpe und wenn ja, mit welcher Kapazität gebaut wird, ob tiefe Geothermie in einem geschlossenen System wirtschaftlich machbar ist (die Prüfung von Geothermie aus weniger tiefen wasserführenden Schichten hat schon ergeben, das der Flensburger Untergrund dafür zu wenig Wasser führt), oder ob, wie eigentlich geplant, grüner Wasserstoff aus Dänemark, der in den vorhandenen Gaskraftwerken verbrannt werden soll, wirklich in hinreichender Menge und wirtschaftlichem Preis verfügbar ist (die Stadtwerke sagen: ab 2032, das käme allerdings zu spät für die Mittellast und Phase 2), ob große saisonale Wärmespeicher sich rechnen (da sagen die Stadtwerke: viel zu teuer! Das ginge nur, wenn die eingelagerte Wärme überschüssige Abwärme wäre, die wir in Flensburg nicht haben). Man hofft zwar schon auf günstige Abwärme aus dem Klärwerk und aus der von Nordschrott geplanten Müllverbrennung (Vertreter vom Klimabegehren waren bei Nordschrott und haben vorgeschlagen, statt konventioneller Verbrennung lieber ein Pyrolyse-Verfahren zu nutzen, das nur Wasserstoff und abtrennbares und nutzbares CO2 oder sogar reinen nutzbaren Kohlenstoff sowie Abwärme erzeugt) – aber wann das kommt, ist unklar, und es wird auf jeden Fall viel zu wenig Abwärme sein für die Mittellast.
Die Stadtwerke haben auch geplant, wie sie an günstigen grünen Strom kommen: durch Lieferverträge mit Windmüllern in Deutschland, wofür die bisherige Stromanbindung an das dänische Netz aufgegeben wurde. Sie sichern sich auch Flächen für Photovoltaik, und bieten den Eigentümern von Gewerbedächern Beratung für die Einrichtung von großen PV-Anlagen, die ihren Strom den Stadtwerken verkaufen sollen. Wir haben angeregt, große Batteriespeicher zu errichten, die den Strom in Niedrigpreiszeiten ankaufen und bei hohen Preisen abgeben könnten, und sich außerdem bei den Windmüllern an der Westküste einzukaufen, so dass man nicht den Marktpreis bezahlen muss, sondern den Erzeugerpreis.
Das Expertengremium, das die Einhaltung des Transformationsplans begleitet und kontrolliert, hat von den Stadtwerken verlangt, ein Alternativ-Szenario vorzubereiten für den Fall, dass der erwartete Wasserstoff aus Dänemark nicht kommt. Und da kamen die Stadtwerke prompt wieder mit der Verbrennung von Biomasse!! V.a. Biomethan – also genau das, was wir im Klimabegehren ausgeschlossen hatten. Dagegen haben wir natürlich protestiert. Es ist auch nur eines der Alternativ-Szenarien. Am liebsten wäre uns, wenn die bereits bestellte Machbarkeitsstudie zur tiefen Geothermie im geschlossenen System ergeben würde, dass das funktioniert. Dann könnte man den Wasserstoff, der eigentlich viel zu schade zum Verbrennen ist, für die Stahl- und Pharmaindustrie besser verwenden. Und immer wieder stupfen wir die Idee von saisonalen Großwärmespeichern an.
Eine andere Baustelle, die uns ängstigt ist die neue Strategie für die Stadtwerke, die alle 5 Jahre geschrieben wird, was 2026 wieder ansteht. Da wird voraussichtlich die Festlegung heißen, dass die Stadtwerke bis 2035 „klimaneutral“ zu sein haben – nicht mehr „fossilfrei“. Wir halten das für gefährlich, ein Einfallstor für Dinge, die nur auf dem Papier klimaneutral sind, aber tatsächlich eine Mogelpackung wie die Verbrennung von Biogas und Holz oder der Kauf von CO2-Zertifikaten. Andererseits haben die Stadtwerke auch andere Teile als die Fernwärme, und für die ist das Klimaziel „klimaneutral“ schon wichtig. Für die Fernwärme muss es aber bei „fossilfrei“ bleiben! Die Gesellschafterversammlung hat die Strategie für 2026-2030 bereits gebilligt, die Ratsversammlung noch nicht.
Wir möchten erreichen, dass die Spitzenlast, die nach 2032 in Phase 3 abgedeckt werden muss, möglichst gering wird. Deshalb haben wir auch mit den Vertreteren der Abteilung Klimamanagement der Stadtverwaltung Gespräche geführt mit dem Ziel, dass die Stadt den Hauseigentümern die bessere Wärmeisolierung ihrer Häuser erleichtert und nahelegt. Das könnte z. B. in Form von One-Stop-Shops erfolgen, an die Hauseigentümer sich wenden können, um dort umfassende Unterstützung bei der energetischen Sanierung zu bekommen. Das erwies sich als recht kompliziert und schwierig, weil die Stadt sich scheut, in den Markt einzugreifen. Auch ein großer Runder Tisch mit vielen Branchenvertretern, der Stadt und uns brachte nicht den Durchbruch, und Hinweise auf Städte wie Hamburg, wo dergleichen bereits funktioniert, wurden auch nicht aufgenommen. Zuletzt wurde uns mitgeteilt, dass das Ziel wegen der Sparmaßnahmen in der Verwaltung nicht mehr verfolgt wird.
Die Gespräche mit den Stadtwerken und der Stadtverwaltung gehen weiter. Wir werden sehen, ob und wie die ganze Transformation gelingt.
